Bewohnerversammlung „Stadtumbau West – Kreuzberg-Spreeufer“ mit der Vorstellung von baulichen Verbesserungsmaßnahmen in der westlichen Wrangelstraße und ihrer Nebenstraßen.

Obwohl nur 60 Bürger den Weg zur Bürgerversammlung, die einberufen wurde, um die Verbesserungsmaßnahmen der westlichen Wrangel- und ihrer Nebenstraßen vorzustellen, gefunden hatten, war Kreuzberg doch irgendwie komplett vertreten.
Angefangen von der älteren Dame, die die Ostfriesischen Inseln mit ins Spiel brachte, „was dort möglich ist, muss auch in Kreuzberg möglich sein“ und damit drohte sie könnte sich durchaus die richtigen Informationen im Internet besorgen bis hin zum Chefideologen von ‘Mediaspree versenken’, der sich jegliche private und kommerzielle Verwertung der Spreeufergrundstücke verbat, war alles vertreten was zur ‘Kreuzberger Mischung’ so gehört.
Dann gab es noch diejenigen denen die neu zu pflanzenden Baumreihen partout zu geradlinig erscheinen wollen – einige Bäume mitten in die Fahrbahn zu versetzen, zwecks Verkehrsberuhigung wurde dann doch nicht in Erwägung gezogen. Und eins wollten alle die da waren: raus mit den Autos und viel mehr Fahrradwege, was in einer durchgängigen 30-km-Zone von Gesetzes her, sich dann doch prinzipiell nicht realisieren lässt, musste der Leiter des Tiefbauamtes Schulz-Herrmann den Zuhörern mitteilen. „Es bleibt im Prinzip alles so wie es ist“, meinte Chefplaner von „Stadtumbau West“ und Moderator in Personalunion Herr Herwarth vom Planungsbüro Herwarth + Holz, nur schöner und sicherer. Denn es werden neben vielen neuen Bäumen, auch sog. Gehwegvorstreckungen, die den Fahrbahnquerschnitt so verringern werden, dass sich zwangläufig auch der Verkehr verlangsamen wird.
„Warum nur die Wrangelstraße und nicht alle Straßen im Kiez umgebaut werden könnten“, wurde das Podium gefragt? Das Förderprogramm „Stadtumbau West“ würde halt nur bis zur Wrangelstraße reichen, so Herwarth. Er sei froh, dass das Programm überhaupt so in die Tiefe gehen und sich nicht nur auf die Grundstücke entlang der Spree und der Köpenicker Straße beschränken würde!
Alles andere als froh über das Programm „Stadtumbau West“ zeigte sich der omnipräsente Chefideologe aus dem Bethanien, der jede Gelegenheit bei öffentlichen Veranstaltungen nutzt, um auf den Ausverkauf Kreuzbergs durch Investoren und Kapitalisten hinzuweisen und genau dieses Programm „Stadtumbau West“ als Teufelszeug brandtmarkt, was nichts anderes darstellt als ein Bauprogramm zur Vertreibung der angestammten Bevölkerung. Herwarth würde sich mit seiner neuen Begrifflichkeit als derjenige outen, der mit der Proklamation einer „neuen“ Kreuzberger Mischung die alten Kreuzberger den Investoren zum Fraß vorwirft.
Diesen Vorwurf wollte Planer Herwarth nicht auf sich sitzen lassen und widersprach vehement: Ja, den Begriff „Neue Kreuzberger Mischung“ käme aus seinem Büro und der Begriff soll Sinnbild einer Antwort sein, die es im Detail noch zu finden gilt aber im Großen eine Antwort auf die Deindustrialisierung und den Verlust von Arbeitsflächen entlang der Spree zu versuchen gibt. Und er suche nach einer eigenständigen, Kreuzberger Antwort auf diese Fragen, die eben multikulturell und multifunktional ausfallen muss. Mit dem Förderprogramm und den damit verbundenen Maßnahmen soll eben verhindert werden, dass keine beliebigen Arbeitsplätze hier Einzug halten, die nichts mit der „Kreuzberger Mischung“ gemein hätte. „Das ist totaler Unsinn“ polterte der linke Aktivist ins Mikrofon und verließ die Versammlung.
Die Wrangelstraße wird nun etwas grüner werden, etwas verkehrssicherer und vielleicht geht auch der Ausverkauf Kreuzbergs weiter.
